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3. Eignung von Betrieb und Ausbilder prüfen

Nur wenn sowohl der Betrieb als auch der Ausbilder geeignet sind, kann ein Unternehmen ausbilden. Ob das der Fall ist, kann anhand des Berufsbildes und des Ausbildungsrahmenplans (aus der Ausbildungsordnung) festgestellt werden. Hier können potenzielle Ausbilder klären, ob sie alle für den Beruf erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten im Betrieb vermitteln können.

Ist das nicht der Fall, so gilt ein Betrieb nur dann als geeignet, wenn der Mangel durch Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte ausgeglichen wird (vgl. § 22 Abs. 2 BBiG, § 23 Abs. 2 HwO). Diese Maßnahmen müssen jedoch im Ausbildungsvertrag ausdrücklich geregelt werden.

Eignung des Betriebs

Für die Eignung des Betriebs sind folgende Punkte besonders wichtig:

  • Art und Umfang der Produktion, des Sortiments und der Dienstleistungen sowie die Produktions- und Arbeitsverfahren
  • Ausstattung mit notwendigen Werkzeugen, Maschinen, Apparaten und Geräten, Pflege- und Wartungseinrichtungen
  • Bürotechnische Einrichtungen, Büroorganisationsmittel und sonstige Hilfsmittel
  • Arbeitsplatz für den Auszubildenden, an dem er unabhängig von den normalen Bedingungen des Arbeitsablaufes ausgebildet werden kann
  • Ausreichender Schutz gegen die Gefährdung von Leben, Gesundheit und sittlicher Haltung
  • Angemessenes Verhältnis von Ausbildern und Auszubildenden
      
Als angemessenes Verhältnis der Zahl der Auszubildenden zur Zahl der Fachkräfte gilt (§§ 22Abs. 1Nr. 2BBiG, 23 Abs. 1 Nr. 2 HwO):

1 bis 2 Fachkräfte = 1 Auszubildender
3 bis 5 Fachkräfte = 2 Auszubildende
6 bis 8 Fachkräfte = 3 Auszubildende
je weitere 3 Fachkräfte = 1 weiterer Auszubildender

Die Relation von Ausbildern und Fachkräften zu Auszubildenden kann auch über- bzw. unterschritten werden, allerdings nur sofern die Ausbildung dadurch nicht gefährdet wird.

 

 

Eignung des Ausbilders

Neben dem Betrieb muss auch der Ausbilder geeignet sein. Dazu ist zunächst einmal die Unterscheidung zwischen dem Ausbildendem und einem Ausbilder wichtig: Ausbildender ist, wer mit den Auszubildenden den Ausbildungsvertrag schließt, also in der Regel das Unternehmen.

Ausbilder ist derjenige, der die Ausbildung persönlich verantwortlich durchführt. In Kleinbetrieben werden diese beiden Funktionen meist von einer Person wahrgenommen. Daneben kann sich ein Ausbildungsbetrieb auch sogenannter Ausbildungsgehilfen bedienen. Diese führen die Ausbildung zwar faktisch durch, übernehmen aber keine Verantwortung dafür.

Voraussetzungen des Ausbilders

Der Ausbilder muss sowohl persönlich als auch fachlich geeignet sein.

Persönliche Eignungsvoraussetzungen

  • Volljährigkeit
  • Kein gesetzliches oder richterliches Verbot, Kinder oder Jugendliche zu beschäftigen
  • Keine schweren Gesetzesverstöße gegen das Berufsbildungsgesetz


Fachliche Eignungsvoraussetzungen

  • Berufliche Fertigkeiten und Kenntnisse
  • Arbeitspädagogische Kenntnisse

 

Nachweis fachlicher Voraussetzungen

Für den Nachweis der fachlichen Kenntnisse im engeren Sinne benötigt der Ausbilder neben der praktischen Erfahrung eine Abschlussprüfung in einem Ausbildungsberuf, eine Prüfung an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Schule oder einen Abschluss einer deutschen Hochschule. Die Abschlussprüfung muss im gleichen Ausbildungsberuf oder in einem verwandten Beruf abgelegt worden sein.

Zum Nachweis der Qualifikation zur Berufsausbildung wurde die Ausbilder-Eignungs-Verordnung (AEVO) erlassen. Bis zum 31. Juli 2009 ist sie außer Kraft gesetzt worden. Das ermöglicht den zuständigen Stellen, dass auch ohne eine formelle Prüfung die Ausbildereignung anerkannt werden kann. Die in der AEVO geregelten materiellen Anforderungen bleiben dabei jedoch in Kraft.

Das bedeutet, dass der Ausbilder auch weiterhin in Grundfragen der Berufsausbildung, Planung und Durchführung der Ausbildung mit methodischen und didaktischen Mitteln, in psychologischen und arbeitsmedizinischen Grundfragen sowie in Rechtsgrundlagen der Berufsausbildung geschult sein muss.

Die AEVO wird nach einer Novellierung 2009 wieder in Kraft treten. Für ausbildende Betriebe gilt jedoch Bestandsschutz. Das heißt: sie können auch weiterhin ausbilden, wenn sie bis zum erneuten Inkrafttreten erfolgreich ausgebildet haben.

Wer in einem der 41 zulassungspflichtigen Handwerksberufen ausbilden will, muss die Handwerksmeisterprüfung bestanden haben. Die übrigen 53 Handwerke sind zulassungsfrei. Eine Übersicht der zulassungspflichtigen und zulassungsfreien Handwerksberufe ist in den Anlagen zur Handwerksordnung erfasst. Diese können beispielsweise abgerufen werden unter:

www.hwk-potsdam.de >Anlage A zu dem Gesetz zur Ordnung des Handwerks (Handwerksordnung) und > Anlage B zu dem Gesetz zur Ordnung des Handwerks (Handwerksordnung) Abschnitt 1

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