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8. Praxisbeispiel

Die J. Schmalz GmbH aus Glatten, Anbieter von Vakuumtechnologie in der Automatisierungs-, Handhabungs- und Aufspanntechnik, beschäftigt weltweit rund 600 Mitarbeiter. Rund 450 Mitarbeiter arbeiten am Hauptsitz in Glatten.

Der Bedarf an qualifizierten Facharbeitern und Ingenieuren ist für ein innovatives Unternehmen auf Expansionskurs besonders hoch. Allein in den letzten 10 Jahren hat die J. Schmalz GmbH ihre Beschäftigtenzahl fast verdreifacht. Für ein mittelständisches Unternehmen abseits eines großen Ballungszentrums ist das Werben einer derart hohen Anzahl an neuen Mitarbeitern mit gefragtem Kompetenzprofil eine besondere Herausforderung. Die Konkurrenz zu Großunternehmen ist erheblich. Während ein Global Player beispielsweise in der Lage ist, junge Studenten direkt von der Hochschule für sich zu gewinnen, ist dies für ein mittleres Unternehmen meist nur in Einzelfällen zu leisten.

Zwar legt die J. Schmalz GmbH Wert darauf, einen Teil der offenen Stellen mit externen Kandidaten zu besetzen, um neues Know-how zu integrieren. Einen großen Teil der benötigten Fachkräfte bildet der Spezialist für Vakuumtechnologie jedoch selbst aus. In folge dessen ist die Ausbildungsquote mit 14 Prozent in insgesamt 15 Ausbildungsberufen besonders hoch. Damit geht auch der Vorteil einher, dass die neuen Mitarbeiter perfekt auf das Unternehmen zugeschnitten sind.

Maßnahmen des Ausbildungsmarketings

Da das Reservoir an guten und motivierten Schulabgängern begrenzt ist, greift das Unternehmen zu verschiedenen Maßnahmen des Ausbildungsmarketings und sorgt für eine hohe Ausbildungsqualität. Im Rahmen verschiedener Angebote zeigt der Mittelständler Präsenz an Schulen, ermöglicht jungen Menschen einen frühzeitigen Einblick in das Unternehmen und bietet dem individuellen Leistungsstand entsprechende Ausbildungsangebote. Im Vordergrund stehen die Ziele, einen Beitrag zur Berufsorientierung zu leisten, die schulische Ausbildung qualitativ aufzuwerten und ein wechselseitiges Kennenlernen von Unternehmen und Schülern zu ermöglichen.

  • Im Rahmen von Schulpartnerschaften gestalten Unternehmensvertreter Unterrichtseinheiten mit und ermöglichen ganzen Schulklassen Exkursionen in den Betrieb. Schüler finden hier Antworten auf die Fragen: "Um was für ein Unternehmen handelt es sich bei der J. Schmalz GmbH?", "Welche Produkte werden hergestellt?", "Welche Erwartungen hat das Unternehmen an seine zukünftigen Auszubildenden?" und "Welche Ziele hat die Berufsausbildung zum Beruf X?".
      
  • Auch unterschiedliche Projekte bringen junge Menschen und die J. Schmalz GmbH zusammen: angefangen bei dem Tag der offenen Tür über den sozialen Tag und den Technologietag Kunststoff bis hin zum Projekt "Mitmachen Ehrensache" und dem Girls Day. Allen gemein ist der Anspruch, Jugendlichen die eher technisch geprägten Berufe im Unternehmen näherzubringen. Ein besonderes Anliegen des Personalleiters Martin Helbling ist es, junge Menschen unabhängig vom Geschlecht für das Unternehmen zu begeistern: "Viele Unternehmen schrecken davor zurück, junge Frauen auszubilden, weil sie einen kindesbedingten Arbeitsausfall befürchten. Aber warum sollen denn nicht auch junge Frauen eine Ausbildung in einem technischen oder gewerblichen Beruf beginnen, wenn sie zu uns passen? Nur wenn alle gleiche Chancen haben, können wir das Erwerbstätigenpotenzial optimal ausschöpfen." Entsprechend ist aktuell jeder zweite neue DH-Student eine junge Frau.
      
  • Um sozial schwächeren Jugendlichen eine Berufsausbildung zu ermöglichen, kooperiert das Unternehmen mit anderen Betrieben aus der Region. Dieses Jahr beginnt zum dritten Mal ein Ausbildungsgang zum Metallfeinbearbeiter, der sich speziell an junge Menschen mit einer nachgewiesenen Lernschwäche richtet. Die Auszubildenden aus dem ersten Ausbildungsgang befinden sich derzeit im dritten Lehrjahr. Nach Abschluss der Ausbildung wird eine Übernahme angestrebt.
      
  • Besonders motivierte und gut vorgebildete Jugendliche erreicht das Unternehmen über das Angebot von dualen Studiengängen in den Bereichen Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen, Informatik und mittelständische Wirtschaft. Hier wechseln die Studenten im Dreimonatsrhythmus zwischen dem Studium an der staatlichen Hochschule und der praktischen Arbeit bei Schmalz. Sie erhalten die Möglichkeit zu einem Auslandaufenthalt in einer Niederlassung und können bereits nach drei Jahren den Bachelor-Titel erwerben. Der J. Schmalz GmbH stehen auf diese Weise zahlreiche Nachwuchskräfte zur Verfügung, die den Betrieb gut kennen und gleichzeitig aktuelles Fachwissen ins Unternehmen tragen.
     
  • Eine Schlüsselposition beim Ausbildungsmarketing nimmt das Angebot von Praktika, Ferienjobs und die Möglichkeit, das Freie Ökologische Jahr im Unternehmen zu absolvieren, ein. Hier lassen sich wertvolle Kontakte knüpfen. Betrieb und Schüler können gleichermaßen prüfen, ob sie zueinander passen. Nach einer schriftlichen Bewerbung und einem kurzen Gespräch begleiten die jungen Menschen einen Auszubildenden oder DH-Studenten für mindestens eine Woche und werden von diesem intensiv betreut. Am Ende erhält der Jugendliche eine Bescheinigung, die er für künftige Bewerbungen nutzen kann, und ein individuelles Feedback in einem Abschlussgespräch. In diesem Rahmen wird besprochen, was gelernt wurde, ob der Jugendliche zufrieden war und wie die J. Schmalz GmbH seine Leistung einschätzt. Diejenigen, die von sich überzeugt haben, werden im Sinne einer Kontaktpflege zum nächsten Berufsinformationstag eingeladen.
      

"Fordern und Fördern"

Die genannten Maßnahmen stellen die eine Seite dar, um junge Menschen für das Unternehmen zu interessieren. Eine hohe Ausbildungsqualität ist die andere Seite. Nicht nur, dass eine gute Ausbildung die beste Werbung ist, darüber hinaus trägt sie dazu bei, dass die Jugendlichen ihre Potenziale bestmöglich entfalten.

Auf die Frage, worauf es bei der Ausbildung selbst ankommt, entgegnet Martin Helbling: "Es geht in erster Linie um zwei Dinge, um hohe Eigenverantwortlichkeit und um Selbständigkeit. Bei uns steht das Prinzip `Fordern und Fördern` im Mittelpunkt." Damit die Auszubildenden in verschiedenen Teams aktiv und verantwortlich mitarbeiten können, werden sie nicht nur intensiv betreut. Alle neuen Auszubildenden verbringen die ersten drei bis vier Wochen gemeinsam in der Ausbildungswerkstatt, in der sie sich kennenlernen können und viele Grundlagen mit auf den Weg bekommen. Sie erhalten einen Einblick in das Unternehmen und die Produktpalette, werden in die internen Prozesse eingeführt und lernen, sich angemessen zu verhalten. Der obligatorische Kennenlerntag für neue Auszubildende ist eins der vielen Azubi-Projekte, die die Auszubildenden bei Schmalz eigenverantwortlich bearbeiten.

Der Erfolg des Engagements bei der J. Schmalz GmbH wird schnell deutlich. Der Grundsatz "Wir bilden aus, weil wir die Leute brauchen" findet seinen Ausdruck in einer Übernahmequote von 80 bis 90 Prozent. Auch angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage bemüht sich der Anbieter von Vakuumtechnologie, möglichst viele Ausbildungsabsolventen zu übernehmen.

Neu: RKW Magazin 1/2016

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