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4. Lerntandems

Im Gegensatz zu den altersgemischten Teams handelt es sich bei Lerntandems um eine stärker strukturierte Form des Wissenstransfers. In einem Tandem übernehmen ein erfahrener und eine unerfahrener Mitarbeiter gemeinsam eine Aufgabe.

So eignet sich der jüngere Wissensnehmer im Laufe der Zeit die Kenntnisse des älteren Wissensgebers an. Dieser kann sich dann nach und nach aus der Verantwortung zurückziehen. Regelmäßige Gespräche helfen, Verständnisfragen zu klären. Außerdem kann in den Gesprächen sichergestellt werden, dass der Jüngere alles lernt, was der Ältere weiß.

Lerntandems eignen sich für nahezu alle Tätigkeitsbereiche. Besonders effektiv sind sie, wenn handwerkliche Fertigkeiten vermittelt werden sollen oder ein Nachfolger eine wichtige Schlüsselposition übernehmen soll.

Nutzen und Stärken

Lerntandems zeichnen sich durch besonders hohe und schnelle Lernerfolge aus. Denn beim konkreten Handeln lässt sich das wertvolle implizite Wissen besonders gut abrufen und vermitteln. Und durch das gemeinsame Bearbeiten von Aufgaben und die zunehmende Eigenverantwortung des Wissensnehmers wird sichergestellt, dass keine wichtigen Aspekte vergessen werden. In gemeinsamen Gesprächen können diese diskutiert und schriftlich dokumentiert werden.

Der Ansatz eignet sich - ebenso wie das Patenschafts-/Mentoringmodell - auch für einen sinnvollen Einsatz älterer Mitarbeiter, die nur noch begrenzt in ihrem regulären Tätigkeitsbereich arbeiten können.

Insgesamt ist dieser Ansatz äußerst flexibel. Er kann ohne größere Vorbereitung sowohl in kleinen als auch in größeren Projekten angewendet werden: So kann beispielsweise in einem kleinen Handwerksbetrieb immer der gleiche Geselle einen Lehrling mit zur Baustelle nehmen. Ebenso lässt sich mithilfe dieses Ansatzes die Einsatzflexibilität der Fertigungsmitarbeiter in einem großen mittelständischen Betrieb gezielt erhöhen.

Ergänzt werden diese Vorteile durch die geringe finanzielle Belastung, die dieser Ansatz mit sich bringt. Im besten Fall entstehen keine zusätzlichen Kosten, im ungünstigeren Fall schlägt höchstens der Arbeitsausfall des Wissensnehmers zu Buche.

Praxistipps

Für einen erfolgreichen Erfahrungstransfer durch Lerntandems sind zwei wichtige Voraussetzungen zu beachten:

  • Zum einen müssen die Teilnehmer gut unterstützt werden. Der Wissensgeber muss auf seine Aufgabe vorbereitet werden, beispielsweise indem ihm gewisse Lehrkompetenzen und -methoden vermittelt werden. Und das Tandem benötigt ausreichend Zeit für gemeinsame Gespräche, um sich über Unklares und den Lernprozess auszutauschen.

  • Zum anderen ist Vertrauen erforderlich, denn die Weitergabe von Wissen kann nicht verordnet werden. Zudem ist mit der Weitergabe von Wissen mitunter ein Verlust an Macht und Unersetzbarkeit verbunden. Damit sich ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann, sollten die Tandems möglichst über eine längere Dauer zusammenarbeiten. Bei der Zusammenstellung der Tandems sollten die persönlichen Vorlieben der Teilnehmer berücksichtigt werden. Wer arbeitet gerne mit wem zusammen? Welche Mitarbeiter kommen nicht miteinander klar? Denn nur aus der Notwendigkeit heraus wird keine Vertrauensbeziehung entstehen.

Arbeit und Lernen wird vernetzt

Der Erfolg des Ansatzes ist darin begründet, dass Arbeit und Lernen nicht getrennt voneinander erfolgen, sondern miteinander verzahnt werden. Das Konzept kann selbstverständlich mit anderen Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen kombiniert werden. Vielfach wird auf das Konzept des Blended Learning zurückgegriffen, einer Kombination von Präsenzveranstaltung und E-Learning-Arrangements. Aber auch die Kombination mit dem Patenschafts-/Mentoring-Modell ist sinnvoll, insbesondere wenn eine anspruchsvolle Fach- oder Führungsaufgabe übernommen werden soll.

Das Vorgehen beim Einrichten von Lerntandems sollte vom jeweiligen Ziel und dem zahlenmäßigen Umfang der Tandems abhängig gemacht werden. Ein einfaches Modell, das für die meisten Zusammenhänge ausreichend ist, sieht drei Schritte vor:

  1. Die Teilnehmer auswählen

  2. Den Lehrenden vorbereiten

  3. Das Tandem zusammenstellen und den Wissenstransfer durchführen

Bei größeren Projekten und besonders anspruchsvollen Tätigkeiten kann der Ansatz entsprechend erweitert werden. Sofern noch keine Erfahrungen mit Lerntandems bestehen, sollte auf einen externen Berater zurückgegriffen werden. Denn dieser kann den Ansatz passgenau auf den jeweiligen Betrieb abstimmen, den Bildungsbedarf ermitteln, Lernziele definieren und die Teilnehmer durch ein begleitendes Coaching unterstützen.

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