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2. Beschäftigungs- und Innovationsfähigkeit erhalten

Eingangs haben wir bereits festgestellt: Mit der Gesamtbevölkerung altern zwangsläufig auch die Belegschaften. Das erfordert in vielen Fällen ein Umdenken der Personalverantwortlichen.

Während Altersteilzeit und Frühverrentung früher gängige Mittel waren, geht es heute vielmehr darum, die Arbeitsfähigkeit und ferner die Innovationsfähigkeit in den veränderten Belegschaftsstrukturen zu erhalten. Entsprechende Maßnahmen erleichtern darüber hinaus die Personalbeschaffung – auch über die Generation 50+ hinaus.

Das folgende Unternehmensbeispiel zeigt, welche Wege dafür besonders geeignet sind. Der Maßnahmenkatalog ist zwar lang und für viele Unternehmen in diesem Umfang unrealistisch. Jedoch können schon wenige Maßnahmen einen hohen Beitrag für die Beschäftigungs- und Innovationsfähigkeit leisten. Wichtig ist dabei, dass sie auf das Unternehmen zugeschnitten sind.

Praxisbeispiel: Beschäftigungsfähigkeit erhalten

Wertschätzung gegenüber Älteren

Grundlegend für eine stärkere Integration der Belegschaft und Voraussetzung für den Erfolg weiterer Maßnahmen ist ein wertschätzender und vorurteilsfreier Umgang mit den älteren Mitarbeitern. Neben speziellen Führungskräftetrainings und Mitarbeiterworkshops kommt es besonders auf die gelebte Wertschätzung an.

Älteren sollten genauso wie den Jüngeren Entwicklungs- und Aufstiegschancen sowie Weiter- und Fortbildungen eingeräumt werden. Auch in Mitarbeiterbeurteilungen sollten Ältere genauso wie alle übrigen Mitarbeiter bezüglich ihrer Stärken und Schwächen realistisch und vorurteilsfrei eingeschätzt werden.

Altersgerechte Arbeitszeiten

Ein zentraler Bereich für eine altersgerechte Arbeitsgestaltung ist die Arbeitszeit. Es bieten sich Arbeitszeitmodelle an, die stärker auf die Wünsche und Bedürfnisse älterer Mitarbeiter zugeschnitten sind. Folgende Möglichkeiten sind besonders geeignet:

  • Langfristig ausgestaltete Arbeitszeitkonten und Urlaubsansparregelungen: Abgesehen vom Erholungseffekt solcher Maßnahmen können sie einen Beitrag zur Personalbindung und -beschaffung leisten - auch über die Gruppe der Älteren hinaus.

  • Vertrauensarbeitszeit: Dieses Konzept entspricht den Fähigkeiten und dem Wunsch vieler Älterer nach hoher Selbstverantwortung.

  • Altersgerechte Pausengestaltung: verlängerte Mittagspausen oder selbstverantwortete Ruhepausen im Rahmen der betrieblichen Notwendigkeiten.

Altersgerechter Aufgabenzuschnitt

Für den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter ist ein geeigneter Aufgabenzuschnitt besonders wichtig. Zum einen geht es dabei darum, belastende Umgebungseinflüsse, wie Hitze oder Lärm, übermäßigen Zeit- und Leistungsdruck oder hohe und einseitige körperliche Belastungen soweit wie möglich zu vermeiden.

Zum anderen wünschen sich ältere Mitarbeiter einen weiten Handlungsspielraum. Das ist meist auch aus betrieblicher Sicht sinnvoll, um ihre Stärken angemessen zu nutzen. Konkret bieten sich hier verschiedene Möglichkeiten an:

Konzepte zur Begrenzung der Tätigkeitsdauer

Es gibt eine ganze Reihe von Tätigkeiten, die nur eine begrenzte Zeit ausgeführt werden können, weil die damit verbundenen Belastungen auf Dauer zu hoch sind. Sehr monotone oder körperlich schwere Tätigkeiten wie das Heben schwerer Lasten oder sich ständig wiederholende Montagehandgriffe in ungünstigen Haltungen, aber auch Nachtarbeit sind oft ab einem bestimmten Alter nicht mehr tragbar.

Für ein Unternehmen mit solchen Arbeitsplätzen stellen sich diese Fragen: Wo können die betreffenden Mitarbeiter ab einem bestimmten Alter beschäftigt werden? Und wie kann ihre Arbeitsfähigkeit trotz der hohen Belastungen erhalten werden?

Weder einem Unternehmen noch den älteren Mitarbeitern ist damit geholfen, Schonarbeitsplätze einzurichten. Eine Möglichkeit, die Tätigkeitsdauer auf belastenden Arbeitsplätzen zu begrenzen, Entwicklungsperspektiven anzubieten und gleichzeitig die Kompetenzen der Älteren produktiv zu nutzen, besteht darin, sie mit bestimmten Aufgaben zu betrauen.

Besonders geeignete Aufgaben für ältere Mitarbeiter

  • Beratertätigkeiten

  • Moderation

  • Qualifizierung, Schulung, insbesondere Mentoring und Patenschaften

  • Logistik

  • Qualitätsmanagement

  • Produkt- und Prozessoptimierung

  • Auftragssteuerung

  • Wartung und Instandhaltung

  • Tätigkeiten an der Schnittstelle zwischen Produktion und Konstruktion/ Arbeitsvorbereitung/ Entwicklung

  • Kundenkontakt

  • Hilfe bei Projekten, die nicht erwartungsgemäß laufen

Entwicklungsperspektiven

Generell ist das Angebot von Entwicklungsperspektiven grundlegend für die Personalbindung. Sie sind Voraussetzung dafür, Fachkräfte für ein Unternehmen zu interessieren, zu werben und zu halten. Je älter die Belegschaften aber in den kommenden Jahren werden, umso wichtiger wird es, Entwicklungsperspektiven unabhängig vom Alter zu verteilen.

Dies ist notwendig, um ältere Mitarbeiter stärker einzubinden, sie für Weiterbildungsmaßnahmen zu motivieren und damit die Innovationsfähigkeit zu erhalten und zu verbessern. Abhängig von den betrieblichen Bedingungen kann die Einführung von Fach- oder Projektlaufbahnen eine gute Möglichkeit darstellen, Entwicklungsperspektiven zu schaffen.

Praxisbeispiel: Fachkarrieren

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Betriebliche Maßnahmen der Gesundheitsförderung tragen dazu bei, die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter bis zum Eintritt in die Altersrente zu erhalten. Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive bewirken sie eine Verringerung von Krankenstand, Unfallzahlen und Fluktuation. Ferner sind sie ein Symbol der Wertschätzung und tragen dazu bei, Motivation und Produktivität zu erhöhen.

Gesundheitsmanagement ist jedoch wesentlich mehr, als das Angebot von Sport- und Fitnesskursen. Bei der Frage danach, was die Beschäftigten gesund hält, geht es darum Risiken und Belastungen zu vermeiden, Beanspruchungen zu mildern und eingetretene Schädigungen zu überwinden.

Dabei ist Gesundheitsförderung nicht zwangsläufig mit hohen Kosten verbunden. Gerade ein positives Betriebsklima und ein kooperatives Führungsverständnis der Vorgesetzten tragen in besonderem Maße dazu bei, die Mitarbeiter gesund zu halten.

Konkrete Gesundheits- und FitnessmaßnahmenUnterstützende betriebliche Entlastungsfaktoren
  • Ergonomisch angepasster Arbeitsplatz
  • Technische Hilfen für Hebe- und Tragearbeiten
  • Gesundheits-Checks
  • Gesundheitstage
  • Vorsorgeuntersuchungen
  • Rückenschule
  • Sport- und Fitnessangebote (in Kooperation mit regionalen Fitnesscentern und Sportvereinen)
  • Betriebssportgruppen
  • Gesundes Kantinenessen
  • Ernährungsberatung
  • Massageangebote
  • Suchtprävention/-bewältigung
  • Unterstützende und wertschätzende Unternehmenskultur
  • Partnerschaftlicher Führungsstil
  • Als fair empfundenes Verhältnis von leistung und materieller sowie immaterieller Belohnung
  • Mitarbeiterorientierte Arbeitszeitmodelle
  • Abwechslungsreiche Tätigkeiten mit hohem Handlungsspielraum
  • Soziale Unterstützung bei der Arbeit (z.B. durch Vertrauen oder gegenseitiger Hilfe)
  • Personalentwicklungs- und Weiterbildungsmaßnahmen

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