Erstellt von:

2.1 Praxisbeispiel: Modulare betriebsnahe Qualifizierung

Bei der ZEITLAUF GmbH Antriebstechnik & Co KG, einem mittelständischen Familienunternehmen mit 205 Mitarbeitern, das sich auf die Herstellung und Entwicklung leistungsstarker Getriebemotoren spezialisiert hat

Ausgangssituation

Hier wurde die Qualifizierung der gesamten Belegschaft in der Montage erforderlich. Durch die Einführung von Komplettmontage waren die Anforderungen an die angelernten Mitarbeiter erheblich gestiegen waren.

Seit Anfang des Jahres 2007 werden deshalb 22 Mitarbeiter – überwiegend Frauen im Alter zwischen 25 und 50 Jahren – qualifiziert. Ziel ist es, den anerkannten Berufsabschluss des Gerätezusammensetzers zu erwerben.

Enge Kooperation von Betrieb und Bildungsdienstleister

Die Qualifizierung erfolgt in enger Kooperation zwischen dem Betrieb und einem regionalen Bildungsdienstleister. Angeboten werden praktische Unterweisungen direkt am Arbeitsplatz und innerbetrieblich organisierter Unterricht durch speziell dafür geschultes Fachpersonal. Die Praxisausbildung im Unternehmen wird vor allem durch die Meister geleistet.

Externenprüfung bei der IHK

Ergänzend dazu werden den Teilnehmern durch den Bildungsdienstleister im Sinne einer zielgerichteten Vorbereitung auf die Externenprüfung bei der IHK die erforderlichen theoretischen Inhalte vermittelt. Die Meister stimmen die Qualifizierungsinhalte untereinander und vor allem auch mit den Dozenten des Bildungsdienstleisters ab. So gelingt es, die Qualifizierung beim Bildungsdienstleister auf die betrieblichen Anforderungen auszurichten und einen direkten Praxisbezug herzustellen.

Workshops

Wenn es beispielsweise im theoretischen Unterricht um Fachzeichnen geht, werden Konstruktionszeichnungen aus dem Unternehmen verwendet. Zudem werden die Teilnehmer über regelmäßig stattfindende Workshops durch fachlich geschultes Bildungspersonal an das Lernen herangeführt, indem beispielsweise Lerntechniken vermittelt werden. Dieses Angebot ist notwendig, da die meisten Teilnehmer lernentwöhnt sind und Schwierigkeiten haben, sich theoretisches Wissen anzueignen.

Weiterbildung während der Arbeitszeit und in der Freizeit

Insgesamt ist es gut gelungen, die Qualifizierung in die betrieblichen Abläufe zu integrieren: Die praktische Unterweisung im Betrieb wird über die Meister organisiert, wobei auch Mitarbeiter aus anderen Abteilungen eingebunden werden. Der theoretische Unterricht findet jeweils Montagvormittag während der Arbeitszeit und sporadisch auch samstags in der Freizeit statt. Soweit die Lehreinheiten während der Arbeitszeit stattfinden, werden die Mitarbeiter dafür freigestellt, den Samstagsunterricht besuchen sie in ihrer Freizeit.  Die Freistellung der Mitarbeiter für die Qualifizierung wird durch den Einsatz von Zeitarbeiter  kompensiert.

Finanzielle Unterstützung

Eine wichtige Rahmenbedingung für die Realisierung der Weiterbildung war die finanzielle Unterstützung durch die Agentur für Arbeit über das Sonderprogramm "Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen" (WeGebAU). Über dieses Fördermodell können Arbeitgeber einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt einschließlich der darauf entfallenden Sozialversicherungsbeiträge für Ausfallzeiten erhalten,

  • wenn der Arbeitnehmer bisher keinen Berufsabschluss erworben hat oder. vom erlernten Beruf entfremdet ist,
  • wenn er, im Rahmen des bestehenden Arbeitsverhältnisses und unter Fortzahlung des Arbeitsentgeltes, mit der Weiterbildung einen anerkannten Berufsabschluss oder eine Teilqualifizierung anstrebt
  • und der Arbeitnehmer wegen der Teilnahme an der Weiterbildung die Arbeitsleistung ganz oder teilweise nicht erbringen kann.


Zusätzlich ist die Förderung der Weiterbildungskosten möglich (Rechtsgrundlage § 235c SGB III, § 77 Abs. 2 SGB III, § 417 Abs. 1 SGB III). Insbesondere die geleisteten Zuschüsse zum Arbeitsentgelt haben es der Firma sehr erleichtert, die Mitarbeiter für die Qualifizierung von der Arbeit teilweise freizustellen.

Quelle: www.perso-net.de Dauser, Dominique/ Hilger, Annelies: Modulare betriebsnahe Qualifizierung - Praxisbeispiele

Neu: RKW Magazin 1/2016

Druckfrisch: Das neue RKW Magazin zum Thema Azubimarketing ist erschienen.

Mut zur Vielfalt

Service

zum Fachkraefte-Blog