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3.1 Alternsgerechte Arbeitsgestaltung: Teil 1

Eine alternsgerechte Arbeitsgestaltung ist von hoher Bedeutung: nicht nur zur bloßen Erhaltung der Arbeitsfähigkeit bis ins Renteneintrittsalter, sondern auch um die Voraussetzungen für die Übernahme von Arbeiten mit höheren Qualifikationsanforderungen durch ältere Mitarbeiter zu schaffen.

Denn die Qualifikationsanforderungen steigen im Trend und müssen dann auch von älteren Mitarbeitern geschultert werden können. Dieser erste Teil beschäftigt sich mit der Vermeidung hoher Belastungen, der Gestaltung des Aufgabenzuschnitts und höherwertigen Tätigkeiten.

Vermeidung hoher und einseitiger Belastungen

In produzierenden Bereichen spielen Körper- und Umgebungsbelastungen häufig eine beträchtliche Rolle. Maßnahmen, die solche Belastungen abbauen, sind so weit wie möglich, auf alle Altersgruppen zuzuschneiden.

Gesundheitliche Beeinträchtigungen aus solchen Belastungen bauen sich in der gesamten Erwerbsbiographie auf und führen dazu, dass Ältere aus Produktionsbereichen versetzt werden müssen. Um die Beschäftigungsfähigkeit Älterer in der Produktion zu sichern, muss deshalb bereits in der frühen und mittleren Berufsphase mit Belastungen und Beanspruchungen reduzierenden Maßnahmen begonnen werden.

Nicht alle Belastungen sind aber beim Stand der Technik zu vermeiden. Hier ist dann ein spezieller Schutz von Älteren sinnvoll.

Reduktion von Belastungen am Arbeitsplatz

  • Begrenzung der Zeiten, bei denen Mitarbeiter Arbeitsbelastungen durch Hitze, Lärm oder auch gesundheitsschädliche Arbeitsstoffe ausgesetzt sind. Hier besteht die Möglichkeit, im Aufgabenprofil Ortswechsel mit belastungsfreien Tätigkeiten zu verankern.

  • Ergonomisch angepasster Arbeitsplatz und technische Hilfen zum Beispiel für Hebe- und Tragearbeiten, Vermeidung von Überkopfarbeiten

Gerade bei den genannten Belastungen und Beanspruchungen sollten Maßnahmen nach Möglichkeit bereits in früheren Berufsphasen beginnen, um vorzeitigen Verschleiß zu vermeiden.

Gestaltung des Aufgabenzuschnitts

  • Kollegiale Lösungen
    In betrieblichen Arbeitsbereichen gibt es bereits kollegiale Lösungen, bei denen jüngere Beschäftigte älteren Beschäftigten körperlich schwere und belastende Arbeiten abnehmen. Diese Lösungen können betrieblicherseits unterstützt und ausgebaut werden.

    Dabei können Spielräume zur Selbstorganisation solcher kollegialer Lösungen erweitert werden, was den Autonomiegrad für alle Mitarbeiter erhöht. Ebenso können kreative Lösungen prämiert werden.

  • Job Rotation
    Hier geht es um einen systematischen Arbeitsplatzwechsel, der einseitige physische und auch psychische Anforderungen verhindert. Beispielhaft zu nennen sind gerade bei kurzzyklischen Arbeitsabläufen der Wechsel von Bewegungsabläufen, der Wechsel von gehenden, stehenden und sitzenden Tätigkeiten.

  • Erweiterung des Aufgabenumfangs
    Dabei handelt es sich um die Erweiterung des Aufgabenzuschnitts durch andere Tätigkeiten auf dem gleichen Anforderungsniveau - bei entsprechender Verlängerung der Zeitvorgaben. Beispielhaft kann die Ergänzung der Tätigkeit "Bestellungen schreiben" um die Funktion „Einholen von Angeboten“ genannt werden.

Die Maßnahmen sollten eng mit den Mitarbeitern abgesprochen werden und nicht, auch noch so wohlmeinend, an ihnen vorbei erfolgen. Ansonsten können die Aktivitäten zu Fehlinvestitionen führen und ins Leere laufen.

Speziell bei Modellen der Job Rotation und der Erweiterung des Aufgabenumfangs besteht die Gefahr, dass die Tätigkeitswechsel den vertrauten Arbeitsrhythmus stören und deshalb als zusätzliche Belastung empfunden werden. Die Einbindung der Mitarbeiter und die Förderung und Nutzung von Mitarbeitervorschlägen ist also eine wesentliche Erfolgvoraussetzung.

Höherwertige Tätigkeiten mit erweiterten Gestaltungsspielräumen

Älteren Mitarbeitern können auch neue und anspruchsvollere Aufgaben übertragen werden. Besonders geeignet sind dabei Aufgaben, die gezielt die typischen Potenziale Älterer nutzen. Das sind etwa in den Berufsjahren angesammeltes Fachwissen, Erfahrung, Qualitätsbewusstsein, sozial-kommunikative Kompetenzen sowie auch die hohe Betriebsbindung und Arbeitsmotivation.

Als Arbeitsfelder, die nicht als bloße Schonarbeitsplätze qualifiziert werden können, sind zu nennen:

  • Qualitätssicherung, Überwachung und Kontrolle, Prozessoptimierung
    Der Einsatzfähigkeit älterer Mitarbeiter kommen Qualitätsbewusstsein und Erfahrungsreichtum entgegen. Die Mitarbeiter sind aufgrund ihrer langen Betriebserfahrungen mit den Abläufen sehr vertraut. Ihr fachliches Wissen wird häufig um die Kenntnis von Tricks und Kniffen und ein gutes Gespür für Probleme und Optimierungsmöglichkeiten ergänzt.

  • Arbeit an Schnittstellen der Produktion
    mit anderen Bereichen wie Konstruktion, Arbeitsvorbereitung, Logistik: Neben den Erfahrungen für eine reibungsarme Gestaltung von betrieblichen Prozessen sind auch die sozialen Kompetenzen bei der Gestaltung der Zusammenarbeit und auch Kontaktnetze zu Betriebsangehörigen in anderen Bereichen ein starkes Potenzial.

  • Aufgaben des Einweisens und Unterrichtens sowie Berateraufgaben
    Hierbei geht es darum, soziale Kompetenzen älterer Mitarbeiter mit Aufgaben des Wissenstransfers zu verknüpfen. Ältere Beschäftigte können so ihr Wissen an Jüngere weitergeben und damit die Wissensbasis Ihres Unternehmens sichern helfen.

  • Kundenkontakte
    Dies bietet sich insbesondere dann an, wenn Kontaktpersonen zu älteren Käufergruppen gefragt sind

Die genannten Tätigkeiten können Arbeitsbelastungen verringern, weil sie mit höheren Gestaltungsspielräumen verknüpft sind und eine gewisse Entfernung vom Druck der unmittelbaren Produktion aufweisen. Dabei ist allerdings darauf zu achten, dass solche positiven Effekte nicht durch zu hohe Stressbelastungen etwa bei Aufgaben der Ablaufoptimierung zunichte gemacht werden.

Die Übernahme der neuen Aufgaben wird häufig mit Qualifizierungsanforderungen verbunden sein. Wenn die Qualifizierungen praxisnah erfolgen und den Erfahrungshintergrund der Mitarbeiter systematisch nutzen, können die neuen Kenntnisse (bspw. Logistik, Prozessteuerung) mit einem überschaubaren Aufwand vermittelt werden.

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