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3.2 Alternsgerechte Arbeitsgestaltung: Teil 2

Dieser zweite Teil beschäftigt sich mit Arbeitszeitregelungen und der Gesundheitsförderung im Betrieb - im Hinblick auf ältere und alternde Belegschaften.

Arbeitszeitregelungen

Arbeitszeitregelungen können einen wichtigen Beitrag zur Minderung von psychischen Belastungen wie Stress und Leistungsdruck leisten. Diese Formen von Belastungen nehmen im Vergleich zu körperlichen Belastungen an Bedeutung zu und betreffen gerade auch Angestellte in den kaufmännischen und technischen Bereichen.

  • Angebot bedarfsgerechter und längerer Pausen
    (zum Beispiel Mittagspausen bis zu einer Stunde). Damit können Mitarbeiter die alltägliche Arbeit ihren individuellen Entlastungsbedürfnissen und dem eigenen Lebensrhythmus anpassen.

  • Einführung Mitarbeiter orientierter Arbeitszeitmodelle
    wie insbesondere langfristig ausgestalteten Arbeitszeitkonten, Urlaubsansparregelungen oder das Angebot von Teilzeitarbeit für möglichst alle Arbeitnehmergruppen. Integration der Belegschaft durch Regelungen nicht nur für Ältere.

  • Altersgerechte Schichtenplanung
    Möglich ist die Verringerung von Nachtschichten ab einer gewissen Altersgrenze bis hin zu Möglichkeiten zum vollständigen Ausstieg aus der Schichtarbeit für ältere Arbeitnehmer. Ein damit verbundener Verzicht auf Schichtzulagen stellt jedoch ein Hindernis für ältere Mitarbeiter dar, solche Regelungen in Anspruch zu nehmen

  • Teilzeitregelungen
    die die wöchentliche oder tägliche Arbeitszeit verringern. Verkürzte Arbeitszeiten reduzieren Belastungen. Hinzu kommt, dass bei einem gleitenden Übergang in den Ruhestand der Erfahrungstransfer von älteren zu jüngeren Mitarbeitern gut organisiert werden kann.

    Die Zeiten, die der ältere Beschäftigte noch im Unternehmen verbringt, können gezielt für die Einarbeitung eines Nachfolgers genutzt werden.

  • Vorruhestand und geblockte Altersteilzeit
    sind problematische Regelungen: Sie laufen auf das Ausscheiden älterer Beschäftigter aus dem Berufsleben und nicht auf offensive Strategien zur alternsgerechten Gestaltung der Arbeit hinaus. Sie werden auch vom Gesetzgeber zunehmend erschwert (erhebliche Senkung von Rentenansprüchen).

    Aus betrieblicher Sicht besteht der Nachteil eines abrupten Ausscheidens im Verlust von Erfahrungsträgern.

Flankierende Maßnahmen der Gesundheitsförderung

Im Zentrum der Aufmerksamkeit sollte Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz und im Arbeitsvollzug durch Belastungsreduktion und Gestaltungsspielräume für die Mitarbeiter stehen (siehe oben). Darüber hinaus aber sind auf gesamtbetrieblicher Ebene flankierende Aktivitäten der Gesundheitsförderung von Relevanz.

Solche Maßnahmen helfen dabei, das Thema oben auf der betrieblichen Agenda zu platzieren, demonstrieren Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern und stärken den Zusammenhalt im Betrieb. Hier einige Beispiele:

  • Gesundheitschecks und Gesundheitstage

  • Gesundheitszirkel und -Workshops

  • Stressmanagement

  • Rückenschule

  • Sport- und Fitnessangebote, Betriebssportgruppen

  • Gesundes Kantinenessen

  • Ernährungsberatung

  • Suchtprävention und -bewältigung

Aufwand für eine alternsgerechte Arbeitsgestaltung (Teil 1 und 2)

Aktivitäten zur alternsgerechten Gestaltung der Arbeit im Betrieb in den Bereichen Belastungsreduktion, Aufgabenzuschnitte, Arbeitszeitregelungen sind in ihrem Zeitaufwand nicht pauschal zu bestimmen. Gesonderte Aufwandsberechnungen wären auch nicht sinnvoll, da sich die Maßnahmen in den Gesamtkomplex der Arbeits- und Organisationsgestaltung einfügen müssen, bei denen Produktionskonzepte, Produktstrategien et cetera ebenfalls entscheidende Richtwerte setzen.

Es geht in diesem Sinne nicht um eine gesonderte, sondern um eine integrierte Perspektive auf alternsgerechte Arbeit bei der Organisationsgestaltung und Strategiebildung. Je nach Gegebenheiten im Betrieb und an den Arbeitsplätzen können selbstverständlich Investitionen beispielsweise in den Bereichen Ergonomie, Minderung von Schadstoffen etc. erforderlich sein.

Entsprechend ihres Umfangs sind die flankierenden Maßnahmen der Gesundheitsförderung kostenrelevant, da der Betrieb Angebote finanzieren muss. Wenn die Aktivitäten während der Arbeitszeit stattfinden (zum Beispiel Stressmanagement, Gesundheitszirkel) ist neben den Maßnahmekosten auch der Arbeitsausfall zu berücksichtigen.

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