Erstellt von:

3. Flexible Arbeitszeit

Dauer und Lage der betrieblichen Arbeitszeit haben einen maßgeblichen Einfluss auf die persönliche Lebensführung. Die Flexibilisierung der Arbeitszeit kann somit Mitarbeiter hervorragend binden - vorausgesetzt, die resultierenden Spielräume werden nicht einseitig zugunsten des Betriebs genutzt.

Anpassung der Arbeitszeitregelung

Dabei ist muss die Anpassung der Arbeitszeitregelung nicht zwingend auf ein allgemeines Arbeitszeitmodell herauslaufen. Gerade individuelle Absprachen ermöglichen ein optimal auf die persönliche Situation abgestimmtes Modell, ist durch einen geringen organisatorischen Aufwand gekennzeichnet und entspricht in besonderer Weise den Arbeitsbedingungen in kleinen und mittleren Unternehmen. Soll das gesamte Arbeitszeitmodell flexibilisiert werden, können verschiedene Modelle genutzt werden.

Angebot längerer Auszeiten

Insbesondere für Führungskräfte und Beschäftigte in besonderen Lebenssituationen ist das Angebot von längeren Auszeiten (Sabbaticals meist zwischen drei und 12 Monaten) mit besonderen Vorteilen verbunden. Diese können in unterschiedlicher Weise realisiert werden.

Zum einen können langfristig ausgestaltete Arbeitszeitkonten oder individuelle Absprachen genutzt werden, in denen gemeinsam mit dem Mitarbeiter geklärt wird, wie die Zeitschuld getilgt wird. Zum anderen kann eine vorübergehende Auszeit auch als eine Sonderform von Teilzeit praktiziert werden.

Beispielsweise arbeitet ein Mitarbeiter über 2 Jahre 30 Stunden pro Woche, bekommt aber nur 20 Stunden bezahlt. Das dritte Jahr ist dann frei, wird aber wie bislang vergütet. Der Verdienstausfall macht unbezahlte Auszeiten für die Mitarbeiter hingegen meist nicht so attraktiv wie die übrigen Varianten.

Nutzen und Stärken

Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und individuellen Arbeitszeitregelungen lassen sich die eingangs geschilderten Vorteile in besonderem Maße erzielen. Sie unterstützen bei:

  • einem ausgewogenem Verhältnis von Mitarbeiter- und Unternehmensinteressen

  • der Balance von Arbeit und Freizeit der Beschäftigten

  • der lebensphasenorientierten Gestaltung der Arbeitszeit

  • der Steigerung von Motivation und Loyalität der Beschäftigten sowie der Attraktivität als Arbeitgeber

Überdies sind einige weitere positive Effekte zu nennen:

  • Effizienter Personaleinsatz

  • Anpassung der personellen Kapazitäten an Produktionsschwankungen und Kundenbedarf ohne Freisetzungen

  • Senken von Personalkosten durch Vermeidung von Personalab- und -aufbau

  • Stärkung der Selbstverantwortung der Mitarbeiter

Die besonderen Vorteile von flexiblen Arbeitszeitmodellen bestehen im Gegensatz zu individuellen Absprachen zum einen darin, dass alle Mitarbeiter unter definierten Bedingungen hiervon Gebrauch machen können. Zum anderen lässt sich diese Variante in der Außendarstellung besser vermarkten.

Ein Sabbatical kommt besonders den individuellen Lebensentwürfen der Mitarbeiter zugute. Nicht nur eine vorübergehende Reduktion von Zeit- und Leistungsdruck ist möglich.

Die Auszeit kann auch für Um- und Weiterschulungen, für Reisen, Hausbau oder eine Neuorientierung genutzt werden. Die Rückkehrer sind nicht nur deutlich motivierter und kreativer, es kann darüber hinaus einem Burn-Out vorgebeugt werden.

Praxistipps

Werden individuelle Absprachen zur flexiblen Gestaltung der Arbeitszeit getroffen, sollten diese Möglichkeiten unter Berücksichtigung der betrieblichen Situation möglichst allen Mitarbeitern offen gehalten werden. Ansonsten entsteht schnell der Eindruck einer Ungleichbehandlung bei den übrigen Beschäftigten.

Die Einführung eines flexiblen Arbeitszeitmodells ist wesentlich komplexer und meist nicht ohne einen externen Arbeitszeitberater zu leisten. Es ist es wichtig, die Beschäftigten regelmäßig über den Stand der Entwicklung zu informieren. Im Idealfall werden sie sogar in die Entwicklung einbezogen.

Darüber hinaus sollte der gesamte Prozess systematisch erfolgen. Dabei geht es in einem ersten Schritt um eine Bestandsaufnahme zur derzeitigen Arbeitszeitsituation und die Entwicklung einiger Alternativen durch eine Projektgruppe. Anschließend sollte eine Pilotierung mitsamt Feinjustierung und letztlich eine Erfolgskontrolle anhand der Erfahrungen von Mitarbeitern und Beteiligten sowie bestimmter Kennzahlen erfolgen.

Besuche von Unternehmen mit dem angestrebten Arbeitszeitmodell sind besonders hilfreich. Da sich durch ein selbständigeres Zeitverhalten der Mitarbeiter eine andere Führungssituation ergeben kann, ist auch die Unterstützung der Führungskräfte vielfach notwendig. In jedem Fall müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen beachtet und der Betriebsrat muss beteiligt werden.

Neu: RKW Magazin 1/2016

Druckfrisch: Das neue RKW Magazin zum Thema Azubimarketing ist erschienen.

Mut zur Vielfalt

Service

zum Fachkraefte-Blog