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3. Praxisbeispiel

PraxisbeispielDie Türenmann Stuttgart GmbH & Co. KG ist einer der größten Anbieter von Bauelementen und Bauschreinerarbeiten im Raum Stuttgart und beschäftigt derzeit rund 35 Mitarbeiter. Die Arbeit der Monteure ist naturgemäß mit verschiedenen Belastungen verbunden.

Schwere Arbeit und hohe Konzentration

So sind häufig schwere Bauteile, wie Türen und Fenster, zu tragen und viele Tätigkeiten sind nur in ungünstigen Körperhaltungen auszuüben. Die Arbeit verlangt aber auch eine hohe Konzentration und ist mit häufig wechselnden Tätigkeiten verbunden. Insbesondere Rückenschmerzen gehören somit für die Monteure häufig zum Berufsalltag.

Wöchentliches Training

Aus diesem Grund hat der Geschäftsführer Tobias Rehder schon früh damit begonnen, gesundheitsförderliche Maßnahmen in seinem Betrieb umzusetzen. Inspiriert durch sporadische Angebote der Krankenkassen zum Thema Gesundheitsförderung und die positive Resonanz seiner Mitarbeiter entschloss er sich dazu, einen Übungsraum in einem benachbarten medizinischen Sportstudio anzumieten und ein gemeinsames wöchentliches Training anzubieten.

Die Angebote waren anfangs wenig systematisch, die Beteiligung war mit 15-20 Mitarbeitern aber ausgesprochen hoch. Auch wenn das gemeinsame Training einen positiven Effekt auf den Zusammenhalt und das Betriebsklima hatte, wurde schnell ein negativer Aspekt deutlich.

Keine Abstimmung auf die Arbeitsbedingungen

Bereits kurze Zeit später ging die Beteiligung bis auf 4-6 Mitarbeiter stark zurück. Es wurde deutlich, dass dieses Modell nicht optimal auf die betrieblichen Arbeitsbedingungen abgestimmt war: Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit sind im Handwerksbetrieb üblicherweise stark von der Auftragssituation abhängig, so dass jeder Monteur zu einem anderen Zeitpunkt Feierabend hat.

Mitgliedschaft im Sportstudio

Es stellte sich somit die Frage nach einer sinnvollen Alternative, die eine individuellere Gestaltung durch die Mitarbeiter ermöglicht und stärker auf ihre individuelle Gesundheitssituation eingeht. Seitdem bietet der Betrieb allen Mitarbeitern eine kostenlose Mitgliedschaft im Sportstudio an.

Verbunden mit dem Angebot ist eine obligatorische Vereinbarung mit den Beschäftigten. Diese verpflichten sich, mindestens 24 Trainings in einem halben Jahr wahrzunehmen, um weiterhin in vollem Umfang von der Kostenübernahme zu profitieren. Sinkt ihre Teilnahme auf unter sechs Termine pro Halbjahr, entfällt die Kostenübernahme komplett. Mittlerweile ist die Teilnahme wieder auf dem anfänglich hohen Niveau.

Der Preis für dieses individualisierte Angebot besteht jedoch darin, dass die positiven Effekte auf Zusammenhalt und Teambildung nicht mehr erzielt werden können. Darum plant Tobias Rehder die Einführung gemeinsamer Sporttage. Da die Auftragslage saisonbedingt in den ersten Wochen des Jahres ohnehin deutlich zurückfällt, bietet sich dieser Zeitraum für gemeinsame sportliche Aktivitäten, wie den Besuch eines Hochseilgartens, an

Weitere Maßnahmen einer betrieblichen Gesundheitsförderung

  • Konzepte zur Begrenzung der Tätigkeitsdauer

    Auch trotz gesundheitsförderlicher Maßnahmen können Mitarbeiter die belastenden Montagetätigkeiten nicht immer bis zum Renteneintritt durchführen. Aus diesem Grund stellt sich der Betrieb regelmäßig die Frage, wo ältere Beschäftigte alternativ eingesetzt werden können.

    Eine Möglichkeit, die gerne genutzt wird und den Erfahrungsschatz der Älteren in besonderem Maße berücksichtigt, besteht darin, sie als Trainer für die Kollegen einzusetzen - ihre Bereitschaft und das entsprechende Potenzial vorausgesetzt.  

  • Aufklärung und Sensibilisierung
    "Der Betrieb kann die Mitarbeiter in Gesundheitsfragen zwar unterstützen, die Mitarbeiter müssen aber selbst erkennen, dass es in ihrem eigenen Interesse und ihrer Verantwortung liegt, sich um ihre Gesundheit zu kümmern", erklärt Tobias Rehder und versucht regelmäßig, die Beschäftigten hierzu zu ermuntern.

Aufbauend auf den positiven Erfahrungen mit einer betrieblichen Ernährungsberatung sollen entsprechende Maßnahmen ebenfalls systematisch und regelmäßig durchgeführt werden. Auch eine Untersuchung der Blutfettwerte und ein gemeinsames gesundes Frühstück gehört in diesen Bereich. Dabei profitieren insbesondere die Beschäftigten, die vom Außen- in den Innendienst wechseln.

Reduzierung der Beschwerden und gutes Betriebsklima

Dass die Maßnahmen von Erfolg gekrönt sind, zeigt sich bereits daran, dass die ursprünglich stark verbreiteten Beschwerden auf ein Minimum zurückgegangen sind. Die positiven Effekte gehen aber weit darüber hinaus.

Die Mitarbeiter können in aller Regel bis zum Renteneintritt im Betrieb arbeiten und wichtiges Erfahrungswissen bleibt erhalten. Leistungsfähigkeit und -bereitschaft haben zugenommen, die Motivation und das Betriebsklima sind spürbar besser geworden.

Effekt aufs Unternehmensimage

Ein wichtiger Punkt betrifft aber auch den positiven Effekt auf das Unternehmensimage und den Bekanntheitsgrad. Damit wird das Produkt- und Dienstleistungsmarketing wesentlich erleichtert, aber auch ein positiver Einfluss auf die Bindung und Werbung wichtiger Potenzialträger ist spürbar.

Für einen Betrieb, der ohnehin vom Nachwuchsmangel im Handwerk betroffen ist und sich darüber hinaus im Einzugsgebiet von Weltkonzernen befindet, ist dies bares Geld wert.

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