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5. Patenschaften/Mentoring

Beim Patenschaftsmodell wird ein älterer und erfahrener Kollege (Mentor) einem jüngeren Mitarbeiter (Mentee) als Pate zu Seite gestellt. Die beiden erfüllen keine gemeinsame Aufgabe, vielmehr kann sich der Jüngere mit allen Fragen an seinen Mentor wenden. Auf diese Weise wird er bei seiner persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung unterstützt.

Weitergabe von implizitem Wissen

Im Zentrum steht auch hier die Weitergabe von Erfahrungen und impliziten Wissen. Der Pate eröffnet dem Mentee den Zugang zu seinen Netzwerken, stellt ihm wichtige Entscheider vor und erläutert ihm ausgesprochene und unausgesprochenen Regeln im Unternehmen. Dazu zählen beispielsweise: Welche Kunden sollten wie angesprochen werden? Welche Mitarbeiter haben einen besonders großen Einfluss?

Eine besondere Beziehung

Das Besondere dieses Ansatzes ist die stark auf die Teilnehmer fokussierte und geschützte Art der Beziehung zwischen den Beteiligten, Es gibt keine Vorgesetzten-Untergebenen-Beziehung und das, was zwischen Mentee und Mentor besprochen wird, ist vertraulich. Sie allein vereinbaren, wie sie vorgehen und welche Themen sie bearbeiten wollen. Diese Art zu arbeiten fordert von beiden Seiten ein hohes Maß an Offenheit und verlangt vor allem vom Mentor viel Engagement.

Eigenständige Maßnahme oder ergänzender Einsatz

Der Ansatz kann als eigenständige Maßnahme durchgeführt werden oder auch herkömmliche Qualifizierungsmaßnahmen ergänzen. Häufig werden Patenschaften genutzt, um neue Fach- und Führungskräfte einzuarbeiten oder um einen Mitarbeiter auf eine Führungsposition vorzubereiten. Immer häufiger wird Mentoring auch für die gezielte Karriereentwicklung von Frauen eingesetzt.

Nutzen und Stärken

Mentoring ist eine erfolgreiche Methode der Personalentwicklung, die praxisnah und unternehmensspezifisch ist. Der Mentee erweitert sein Know-how, indem Wissen, Kompetenzen, Werte, Einstellungen, Motivationen und Perspektiven an ihn weitergegeben werden. Er wird gleichzeitig dabei unterstützt, persönliche und berufliche Ziele zu erreichen.

Für das Unternehmen bedeutet dieser Ansatz somit eine Verbreitung des vorhandenen Wissens. Zudem entwickelt der Mentee eine hohe Betriebsbindung - durch die starke soziale Vernetzung, die erfahrene Akzeptanz und Wertschätzung.

Vorteile für den Mentee

  • Er lernt die eigenen Fähigkeiten besser kennen.
  • Er wird bei seiner Tätigkeit und bei akuten beruflichen Problemen unterstützt.
  • Er kann die Arbeit effizienter gestalten.
  • Er erhält Impulse für die weitere berufliche Entwicklung.
  • Er wird selbstbewusster und sichtbarer.


Vorteile für den Mentor

Der Ansatz bietet aber auch Vorteile für den Mentor. Er kann sich aktuelles Fachwissen aneignen und seine sozialen und kommunikativen Kompetenzen trainieren. Darüber hinaus erfährt er Anerkennung für seine Erfahrungen und Kompetenzen.

Im Patenschaftsmodell können Unternehmen auch Mitarbeiter produktiv einsetzen, die in ihrer bisherigen Tätigkeit nur noch eingeschränkt arbeiten können. Und auch Mitarbeiter, die nach Jahren in der Führungsetage keine Herausforderungen in ihrer bisherigen Tätigkeit sehen, finden so eine neue Aufgabe.

Praxistipps

Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Mentor-Mentee-Verhältnis sind ein offenes und vertrauensvolles Klima und eine gründliche Vorbereitung der Teilnehmer. Das betrifft in erster Linie die sorgfältige Auswahl der Mentoren und Mentees. Nicht jeder Mentor kann einen Mitarbeiter in den Fragen und Themen unterstützen, die für ihn wichtig sind. Zudem muss die Chemie stimmen.

Ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis zwischen dem Paten und seinem Schützling ist hier noch wichtiger, als bei Lerntandems. Wenn bei der Zusammensetzung noch Unklarheiten bestehen oder ein großangelegtes Mentoring-Projekt gestartet werden soll, ist es ratsam, vor der Zusammenstellung Einzelgespräche mit den potenziellen Teilnehmern zu führen.

Macht und Hierarchie

Ein besonderes Augenmerk sollte dem Aspekt von Macht und Hierarchie gewidmet werden. Die Erfahrung lehrt, dass Patenschaften versagen, sobald ein Macht-Verhältnis zwischen den Teilnehmern entsteht. Deshalb sollten potenzielle Hierarchiekonflikte unbedingt im Vorfeld berücksichtigt werden. Der Mentor darf seine Position im Unternehmen nicht durch den Mentee gefährdet sehen. Und auch die Möglichkeit, dass der Mentee hierarchisch über den Mentor gestellt wird beinhaltet ein hohes Konfliktpotenzial.

Des Weiteren gehört zu einer gründlichen Vorbereitung, dass Mentor und Mentee sich Zeit für eine sorgfältige Auftragsklärung nehmen:

  • Wie viel Zeit wollen wir investieren?
  • Wie oft und wann treffen wir uns?
  • Welche Themen sind uns und für das Unternehmen besonders wichtig?
     

Grundsätze für eine gelungene Mentor-Mentee-Beziehung

Für den Erfolg einer Patenschaft ist eine gelungene Beziehung zwischen den beiden Teilnehmern entscheidend.

  1. Unterstützung
    Der Pate sollte gut auf seine Aufgabe vorbereitet werden und die Teilnehmer benötigen ausreichend Zeit für gemeinsame Gespräche.

  2. Vertrauen
    Weder die Weitergabe von Wissen noch eine engagierte Unterstützung des Mentees können verordnet werden. Deshalb sollten die persönlichen Vorlieben der Teilnehmer bei der Zusammenstellung der Teams berücksichtigt werden. Die Patenschaften sollten mindestens über ein Jahr bestehen und die Treffen mindestens alle sechs Wochen stattfinden, da sich Vertrauen erst mit der Zeit aufbauen lässt. Währenddessen können kleine Arbeitsaufträge und Aufgaben den Mentee bei seiner Entwicklung helfen. Außerdem sollte immer eine sanktionsfreier Ausstieg aus der Mentoring-Beziehung möglich sein.

  3. Zusammenarbeit
    Partnerschaftlichkeit ist die Grundvoraussetzung für jede Veränderung. Sobald Interessenkonflikte zwischen Mentor und Mentee auftreten, verliert der Ansatz seine positiven Wirkungen.

  4. Gegenseitige Anerkennung
    Nur auf dieser Grundlage kann eine Mentor-Mentee-Beziehung erfolgreich gestaltet werden.

  5. Vertraulichkeit
    Ohne ein hohes Maß an Vertraulichkeit ist es unmöglich, dass sensible Themen bearbeitet werden. Gibt es das nicht, wird die Entwicklung des Mentee deutlich verlangsamt und in vielen Punkten sogar unmöglich. Zudem ist ein Vertrauensaufbau ohne Vertraulichkeit nicht möglich.OffenheitNur wenn der Mentee bereit ist, seine Erfahrungen, Ziele und Wünsche mitzuteilen und der Mentor diese vorurteilsfrei annehmen kann, ist eine Entwicklung möglich. Ein nicht wertendes Feedback gibt dem Mentee neue Impulse.

  6. Offenheit
    Nur wenn der Mentee bereit ist, seine Erfahrungen, Ziele und Wünsche mitzuteilen und der Mentor diese vorurteilsfrei annehmen kann, ist eine Entwicklung möglich. Ein nicht wertendes Feedback gibt dem Mentee neue Impulse.

Ein letzter wichtiger Punkt betrifft die Anforderungen an einen Mentor. Während der Mentee Eigeninitiative, Erfolgswillen und Lernbereitschaft mitbringen muss, werden an den Mentor deutlich mehr Anforderungen gestellt: Mit Mentoren die über soziale Kompetenz, langjährige Berufserfahrung und ein hohes Machtpotenzial im Unternehmen verfügen und zudem den unbedingten Wunsch hegen, den Mentee zu unterstützen, verlaufen Patenschaften besonders erfolgreich.

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