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8. Praxisbeispiel

Der IMPRO e.V. ist ein Zusammenschluss von 18 Mitgliedsunternehmen mit dem Fertigungsschwerpunkt Präzisionsmechanik und Feinwerktechnik aus dem sächsischen Glashütte im Osterzgebirge nahe Dresden.

Gründung

Die meist unternehmergeführten Zulieferer beschäftigen heute etwa 1.000 Mitarbeiter mit 80 Auszubildenden und sind als Branche einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region. IMPRO wurde im Jahr 2000 von vier Unternehmern gegründet, um vorerst als loser Zusammenschluss gemeinsame Interessen und Aktivitäten zu bündeln und abzustimmen. Im Jahr 2004 erfolgte die Vereinsgründung, 2007 wurde eine Geschäftstelle in Glashütte eröffnet.

Ziele

Erste Ziele waren die Fachkräftesicherung im Umfeld des Ballungsraumes Dresden, die Vorbereitung auf die EU-Erweiterung aufgrund der grenznahen Lage zur Tschechischen Republik und die Entwicklung des wirtschaftlichen Umfeldes. Nach ersten positiven Kooperationserfahrungen wuchs die Mitgliederzahl kontinuierlich.

Weitere Ziele und Aufgaben kamen hinzu: eine gemeinsame Kunden- und Markterschließung, Fertigungskooperationen und Leistungsaustausch sowie das Erschließen von Innovationspotenzialen bei Produkten und Technologien.

Fachkräftenetzwerk "Präzisionsmechanik"

Umsatzwachstum und demografische Entwicklungen führten zu einem steigenden Bedarf an qualifizierten und engagierten Mitarbeitern, der mit den bisherigen Mitteln nicht mehr ohne weiteres gedeckt werden konnte. Das Image und der Bekanntheitsgrad der Branche als Arbeitgeber waren insbesondere unter Schulabsolventen und Berufseinsteigern dringend zu verbessern.

Dazu bedurfte es der Zusammenarbeit mit regionalen Partnern. Aus diesem Grund gründete IMPRO in den Jahren 2005/2006 mit Unterstützung der sächsischen Staatsregierung das Fachkräftenetzwerk "Präzisionsmechanik".

Das Netzwerk verfolgt arbeitsteilig KMU-spezifische Strategien und arbeitet eng mit regionalen Partnern, wie Schulen, Berufschulzentren, Arbeitskreisen und Wirtschafts- und Verwaltungsgremien, den Kammern und Agenturen für Arbeit, der TU Dresden und privaten Bildungsträgern, zusammen.

Zusammenarbeit der Mitglieder

Die Zusammenarbeit der Mitglieder erfolgt gleichberechtigt unter Wahrung des internen Wettbewerbes und berücksichtigt die jeweilige Leistungsfähigkeit. Beschlüsse der Mitgliederversammlung werden vom Vorstand beziehungsweise den IMPRO-Mitarbeitern umgesetzt und über einen Beirat mit der Regionalstrategie der Wirtschaftsregion abgestimmt.

Ergänzend zur Satzung bestehen Vereinbarungen zur Art und Weise der Zusammenarbeit, Vereinbarungen zu abgegrenzten Projekten und Kooperationsvereinbarungen zu ausgewählten Partnern der Region.

In regelmäßigen Arbeitstreffen stimmen sich die Mitglieder zu inhaltlichen Schwerpunkten, organisatorischen Fragen und gemeinsamen Aktivitäten ab. Im Ergebnis steht ein jährlicher Arbeitsplan, der Schwerpunkte und Zwischenziele festlegt, jedoch flexibel an Veränderungen angepasst wird. Regelmäßig wird vor den Mitgliedern Bilanz gezogen. Kurz- und mittelfristige Maßnahmen werden präzisiert und ergänzt.

Finanzierung des IMPRO e.V.

Die Finanzierung der Arbeit des IMPRO e.V. stützt sich auf mehrere Quellen. Die Mitglieder wirken ehrenamtlich mit. Darüber hinaus verfügt IMPRO über eine Grundfinanzierung aus Mitgliedsbeiträgen und projektbezogenen Kostenumlagen der Beteiligten.

Die bisherigen Förderanteile des Freistaates Sachsen werden zunehmend durch Einnahmen aus Dienstleistungen für Mitglieder und Dritte ersetzt. Nach anfänglicher Nutzung professioneller externer Unterstützung erfolgte schrittweise der Übergang zur eigenverantwortlichen Netzwerkarbeit.

Schwerpunkte der Netzwerkarbeit

Unter diesen Bedingungen war und ist es möglich, ein umfangreiches Spektrum an Maßnahmen kurzfristig und bedarfsgerecht umzusetzen, wie dies in Umfang, Schlagkraft und Professionalität vom einzelnen Unternehmen nicht zu leisten wäre.

Berufsorientierung und Ausbildungsmarketing

Branche und ausbildende Unternehmen waren im Berufswahlprozess der Schüler unterrepräsentiert. Daher ist die Förderung der betrieblichen Erstausbildung eine wichtige Quelle von Fachpersonal und ein zentrales Handlungsfeld.

IMPRO informiert über Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten, Berufsinhalte, Arbeitsbedingungen und das berufliche Umfeld bis hin zu Karrierechancen für Haupt- und Realschüler sowie Abiturienten. Es stehen umfassende Materialien zur Berufsorientierung, Bewerbung und Ausbildung zum Abruf bereit.

Großer Wert wird auf den Praxisbezug der Schulausbildung, das praktische Erleben von Arbeitsinhalten und die Motivation für gute Schulergebnisse als Basis für eine Übernahme in ein (anspruchsvolles) Ausbildungsverhältnis gelegt.

Dazu werden Praktika und Betriebsexkursionen angeboten, Projektunterricht und Elternabende in Schulen begleitet, Seminare zu Lehrerfortbildung angeboten und außerschulische Aktivitäten unterstützt. Besondere fachliche, organisatorische und materielle Unterstützung erhalten die Berufschulzentren.

In der Region engagieren sich die IMPRO-Unternehmen im Rahmen von Tagen der offen Tür, Ausbildungsmessen und Diskussionsrunden, sie wirken in Arbeitskreisen und Wirtschaftsgremien mit.

Weiterbildung und Qualifizierung

Der qualifikations- und bedarfsgerechte Einsatz der Beschäftigten dient dazu, vorhandene Ressourcen und Potenziale zu nutzen, sie gezielt zu ergänzen und weiterzuentwickeln. Kleine und mittelständische Unternehmen sind dabei organisatorisch und finanziell auf arbeitsplatznahe wie zwischenbetriebliche Weiterbildung und Kooperationen mit regionalen Anbietern angewiesen.

Die Bündelung der Unternehmensbedarfe und die Entwicklung von gemeinsamen Angeboten im Netzwerk schafft für Einzelunternehmen wichtige Zeit- und Kostenvorteile.

IMPRO unterstützt seine Mitglieder bei der Entwicklung von Schulungs- und Personalentwicklungskonzepten. Diese werden für das Netzwerk insgesamt zusammengefasst und ausgewertet. Lösungen werden intern oder mit Bildungspartnern konzipiert, Qualifizierungsmodule für arbeitsplatznahe Weiterbildungsmaßnahmen entwickelt.

Im Ergebnis können beispielsweise verantwortliche Mitarbeiter gemeinsam und voneinander lernen, ohne ihre wettbewerbliche Stellung zu gefährden. Mit diesem Ansatz ist der Verbund gemeinsam mit weiteren Kooperationspartnern im Bundesprojekt "Regionale Qualifizierungsinitiative Ost" beteiligt.

Regionale Vernetzung

Entsprechend des Mottos "Gemeinsam sind wir stark" fokussieren viele Aktivitäten des Verbundes auf die Vernetzung mit wichtigen Akteuren aus der Region und darüber hinaus. Hiervon profitieren nicht nur die Mitgliedsunternehmen, sondern die gesamte Region.

Das Netzwerk kooperiert mit weiteren Unternehmen auch anderer Branchen aus der Region und der nahegelegenen Tschechischen Republik. In zahlreichen Gremien der Regionalverwaltung wirkt der IMPRO e.V. auf ehrenamtlicher Basis beratend und unterstützend mit. Seit Januar 2009 hat der Verbund die Führung des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft übernommen, in dem die IMPRO-Unternehmen bereits seit längerem als Wirtschaftspartner beteiligt waren.

Mit den "Bärensteiner Gesprächen" hat das Netzwerk eine Plattform ins Leben gerufen, die dem Erfahrungsaustausch unterschiedlicher Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung dient und ihre Vernetzung forciert. IMPRO ist zudem Veranstaltungspate des jährlichen Wirtschafts- /Unternehmertages.

Mitwirkung in regionalen und überregionalen Aktions- und Förderschwerpunkten

Die Region Sächsische Schweiz Osterzgebirge zeichnet sich durch eine Vielzahl von engagierten Akteuren aus, die das gemeinsame Ziel einer lebendigen, lebenswerten und zukunftsorientierten Region verfolgen. Die zahlreichen Einzelstrategien führen mitunter aber zu Unübersichtlichkeit und Kräftezersplitterung.

Aus diesem Grund hat sich IMPRO maßgeblich an der erfolgreichen Antragstellung des Landkreises auf das Vorhaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung "Perspektive Berufsabschluss" beteiligt und begleitet das Projekt als Beirat. Einzelstrategien, Aktivitäten und Angebote der Wirtschaftsakteure sollen mit der Regionalstrategie verknüpft oder erstmalig in diese integriert werden. Ziel ist eine vorausschauende und systematisierte Abstimmung der Akteure.

Dadurch wird die Breitenwirkung der Maßnahmen forciert, Unübersichtlichkeit wird reduziert. Zudem werden die Kräfte konzentriert und insgesamt das Image der Region als attraktiver Arbeits- und Lebensraum gestärkt.

Leistungspräsentation und Öffentlichkeitsarbeit

IMPRO stellt seine Arbeit öffentlich vor, bietet Ergebnisse interessierten Dritten zur Mit- und Nachnutzung an. Bisher unbeteiligte Dritte können sich über Vorgehensweisen, Aktivitäten und Arbeitsergebnisse informieren und sich aktiv einbringen.

Eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit soll zur Mitwirkung veranlassen und so die Aktions- und Angebotsvielfalt vergrößern. Ein umfassender Internetservice mit Netzwerkinformationen und Materialien zur Berufsorientierung und -ausbildung sowie dem Leistungsangebot der Unternehmen ist ein zentraler Baustein. Aber auch Präsentationen bei Kammern, Mitgliedsunternehmen und beruflichen Schulungszentren, Informationsdienste für Schüler und Eltern, Presseinformationen und -artikel werden intensiv genutzt.

Insgesamt wird ein hoher Beitrag zur Attraktivität der Region geleistet und der Fachkräftemangel abgefedert. Der IMPRO-Interessenverband beziehungsweise das IMPRO-Netzwerk ist mit seinen Partnern, Aktivitäten und bisherigen Arbeitsergebnissen sachsenweit als best-practice-Netzwerk anerkannt.

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