Erstellt von:

3. Praxisbeispiel

Die Ortho Reha GmbH aus Nordhorn mit einer Belegschaft von weniger als 20 Mitarbeitern praktiziert ein Beteiligungsmodell, das eine Kombination aus Erfolgs- und Kapitalbeteiligung darstellt. Das Unternehmen ist ein Handwerks- und Handelsbetrieb aus der Gesundheitsbranche (Orthopädietechnik).

Das Unternehmen legt pro Quartal einen Erfolgsanteil für alle Mitarbeiter freihändig fest und den teilt es den Beschäftigten mit. Der Erfolgsanteil des vierten Quartals eines Geschäftsjahres lehnt sich an das Ergebnis des Jahresabschlusses an. Der Gesamterfolgsanteil wird den berechtigten Beschäftigten in Anlehnung an die relative Einkommensverteilung zugewiesen.

Unterjährig, d.h. für die Quartale eins bis drei, erfolgt die Verbuchung auf einem gesonderten Guthabenkonto. Die Guthaben verzinsen sich in Anlehnung an die Umsatzrendite des Vorjahres. Das Gesamtguthaben (Erfolgsbeteiligung plus Zinsen) kommt nach Vorlage des Jahresabschlusses zur Auszahlung.

Genussrechte

Die Mitarbeiter haben zudem die Möglichkeit, Genussrechte am Unternehmen zu zeichnen. Auf die Zeichnung gewährt das Unternehmen wertabhängig eine Zulage auf Grundlage des § 3 Ziffer 39 EStG.

Die Obergrenze der Beteiligung umfasst einen Nennwert von 1.000 Euro mit einer Förderung von 200 Euro. Der Mitarbeiter investiert in diesem Fall also einen Betrag von 800 Euro und erhält einen Zuschuss in Höhe von 200 Euro von seinem Arbeitgeber. Darüber hinaus haben die Mitarbeiter aber auch die Möglichkeit, weitere ungeförderte Genussrechte zu zeichnen und somit ihre Kapitalbeteiligung aufzustocken.

Die Genussrechte verzinsen sich bei positiver Umsatzrendite mit bis zu acht Prozent. Erwirtschaftet das Unternehmen Verluste, wird eine marginale Verlustverzinsung in Abzug gebracht. Die Genussrechte haben eine Mindestlaufzeit von fünf Jahren.

Das Genussrechtskapital weist - da es dem Unternehmen mehr als fünf Jahre zur Verfügung gestellt wird, einer möglichen Verlustverzinsung unterliegt und nachrangig haftet - einen mezzaninen Charakter auf und stärkt daher das betriebswirtschaftliche Eigenkapital des Unternehmens. 

Autor

Autor dieses Textes ist Stefan Fritz: E-Mail an Autor schreiben

Buchtipps

  • Erfolgs- und Kapitalbeteiligung der Mitarbeiter (Schneider / Fritz / Zander, 6. Auflage 2007)
  • Mitarbeiterbeteiligung im Mittelstand: Ein Atlas erfolgreicher Beteiligungs-modelle (Fritz (Hrsg.), 2008)